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MENSCHEN,
TIPPS, JOB
UND KARRIERE.

Flucht aus dem Konzern - rein in den regionalen Mittelstand

Vom Konzern zum Mittelstand, ein Phänomen welches Kerstin Hattar immer häufiger erlebt. Letztes Jahr hat sie auf dem hierbleiben. Jobevent einen Workshop zu dem Thema "Jobwechsel und gibt es dafür den richtigen Zeitpunkt" geleitet. Sie selbst hat nach 25 Jahren in der Geschäftsleitung eines amerikanischen Großkonzerns, den Schritt in den kleinen Mittelstand gewagt. Im Interview haben wir darüber gesprochen, welche Chancen sich hinter dem Wechsel verbergen können, aber auch was für beiden Seiten zu beachten ist.

Eine unerwartete Kündigung oder einfach der Wunsch nach Veränderung, Kerstin Hattar nutzt ihre mehr als 25jährige Berufserfahrung aktuell für die Beratung und Vermittlung von Fach- und Führungskräften bei der Expert People Management GmbH. Immer öfter geht es hier auch um den möglichen Wechsel zu einem mittelständischen Unternehmen und eine erste Erkenntnis ist, dass erst einmal unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen. Egal ob Kündigung oder die eigene Bereitschaft eine neue Herausforderung zu suchen, die Fragen sind immer dieselben.

Was sind meine Interessen, aber auch was sind meine Kompetenzen?

Nicht für Alles was uns interessiert bringen wir auch immer die entsprechenden Kompetenzen mit, um es zum Beruf machen zu können.

Vor allem bei der Kündigung bietet sich an zu hinterfragen, weiter wie bisher oder Umdenken, um neue Wege zu entdecken. Kerstin Hattar empfiehlt hier immer auch die Hilfe von neutralen Externen, „Familie und Freunde sind oft im gemeinsamen Erfahrungsgefängnis“, ihre Einschätzung kann helfen, bringt aber nicht unbedingt die gewünschte neue Perspektive.

Die Agentur für Arbeit fördert zum Beispiel Programme verschiedener Dienstleister für den beruflichen Neustart in Form eines persönlichen Coachings. Bevor Sie also den nächsten Schritt zur Bewerbung gehen, sollten Sie sich neben Ihren Interessen auch im Klaren sein, was die eigenen Prioritäten sind.

Mittelstand wie Konzern bringen jeweils ihre eigenen Strukturen und Prozesse mit. Eine weitere Frage ist also, welche Struktur und Organisation brauche ich für meine Arbeit? Ausgefeilte Prozesse, Handbücher, ein standardisierter Einarbeitungsplan, all dies sind Dinge, welche im Mittelstand nicht unbedingt im Fokus stehen. Dem gegenüber steht jedoch die Chance seinen Arbeitsbereich mitzugestalten und schnell Verantwortung zu übernehmen. Jeder Euro ist wichtig und muss erst verdient werden, die eigene Arbeit ist also ganz klar messbar, Erfolg wie Misserfolg. Für Kerstin Hattar durchaus vergleichbar mit einer Selbstständigkeit.

Das Bewusstsein für den einzelnen Euro steigt, man fühlt sich unmittelbar mitverantwortlich für den Erfolg des Unternehmens.

Mit dem Wissen über die unterschiedlichen Strukturen sollte man auch in die Gespräche gehen, der Geschäftsführer ist hier oft auch der Personaler, Interviews und Bewerberauswahl gehören nicht zu seiner täglichen Arbeit, je besser Sie als Bewerber vorbereitet sind, umso genauer können Sie Ihre Erwartungen formulieren und ebenso die des Unternehmens an die eigene Person erfragen. Ein praktisches Beispiel von Kerstin Hattar:

Wo sehen Sie mich Montag um 8 Uhr oder Donnerstag 15 Uhr? oder Wann bin ich für Sie erfolgreich?

Die Erwartungen sollten klar und idealerweise auch messbar sein. Besonders beim Thema Gehalt treffen hier oft sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Aber auch hier gibt es Lösungen, das gebotene Gehalt liegt möglicherweise unter Ihrem Vorherigen, vorher haben Sie aber vielleicht auch entsprechend viele Stunden investiert. Vielleicht wollten Sie schon lange mehr Zeit für Ihre Interessen außerhalb der Arbeit haben, entsprechend könnte sich die Chance bieten, die Gehaltseinbußen mit Freizeit auszugleichen. Ein weiterer Punkt ist die Beteiligung am eigenen Erfolg. Hier kommen die messbaren Erwartungen ins Spiel, so kann man vereinbaren, wie man an dem geleisteten Mehrwert finanziell beteiligt werden kann.

Die Möglichkeiten sind zahlreich, hier sind wir wieder bei der Empfehlung von Kerstin Hattar, nutzen sie die, gegeben falls unfreiwillige Zeit zwischen zwei Jobs, um sich einen Überblick zu verschaffen. Vermeiden Sie ein Einfaches - „weiter wie bisher“ - allein aus der Motivation schnell wieder unterzukommen.

Fragen Sie sich wo Sie stehen, wo wollen Sie hin, betrachten Sie Ihr Leben wie der Astronaut die Welt aus dem Weltall und halten Sie kurz inne bei dieser einmaligen Chance.
Dieser sogenannte Overview-Effekt kann helfen, Prioritäten zu erkennen und entsprechend mit offenen Augen in die nächste Herausforderung zu starten.